Inhalt

Zusammenfassung

Aufbauend auf der Kritik an der imperialen Lebensweise (nach Brand und Wissen, 2017), möchten wir uns ein Jahr lang mit der solidarischen Lebensweise und dem Weg dorthin auseinandersetzen. Gemeinsam möchten wir Antworten auf die folgenden Fragen finden:

  • Wie sieht eine solidarische, menschenwürdige und ökologisch nachhaltige Lebensweise aus? Wie müssen verschiedene Bereiche unseres alltäglichen Lebens (Energie, Mobilität, Ernährung etc.) gestaltet sein, damit es möglich ist, nicht „auf Kosten anderer“ leben zu müssen? Was macht eine Alternative zu einer Alternative im Sinne einer solidarischen Lebensweise? Welche Initiativen gibt es bereits und wie praktizieren und fördern sie eine solidarische Lebensweise?
  • Wie kann der Wandel von der imperialen zur solidarischen Lebensweise auf solidarische Weise gelingen? Welche politischen Maßnahmen und Bedingungen sind (insbesondere auf globaler Ebene) notwendig, um die Externalisierung sozialer und ökologischer Probleme einzudämmen und das Entstehen solidarischer Alternativen zu fördern?
  • Wie kann ein Wertewandel in Richtung einer Kultur der Nachhaltigkeit und der Solidarität (statt des Wettbewerbs, des Profits, der Abgrenzung etc.) beeinflusst werden?

Beitrag des Konzepts der imperialen Lebensweise zur sozial-ökologischen Transformation

Es gibt bereits viele verschiedene Ansätze für eine sozial-ökologische Transformation unserer Lebens- und Wirtschaftsweise: Auf Mikroebene gibt es viele konkrete Projekte, die alternative Formen des Zusammenlebens praktizieren (bspw. Solidarische Landwirtschaft, Direkthandel, Transition Towns). Auch auf Makroebene gibt es viele umfassende theoretische Ansätze (bspw. Postwachstum, Solidarische Ökonomie, Post-Development). Welchen Beitrag kann die Kritik an der imperialen Lebensweise und die Diskussion um eine solidarische Lebensweise zur sozial-ökologischen Transformation leisten? Insbesondere zwei Aspekte sind hier wertvoll: 

grafik einleitung

  • Eine solidarische Lebensweise zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie die Externalisierung von sozialen und ökologischen Kosten und Problemen beendet. Der Schwerpunkt dieses Konzepts liegt also auf der Schaffung von globaler Gerechtigkeit, verbunden mit ökologischer Nachhaltigkeit, da der Wohlstand der so genannten „Transnationalen Verbraucherklasse“ (siehe z.B. Sachs und Santarius, 2005) auf der Auslagerung von sozialen und ökologischen Schäden andernorts basiert (siehe auch Lessenich, 2016).
  • Das Konzept nennt Ausgangspunkte für einen Wandel. Die imperiale Lebensweise gilt als Norm, sie ist tief verankert in unseren Alltagspraktiken, Vorstellungen und Wünschen (z.B. Wachstum als Ziel) und
    gestützt durch physisch-materielle Infrastrukturen (z.B. Supermärkte, Autobahnen) und politischen Institutionen. Es muss also an all diesen Punkten angesetzt werden, um einen Wandel voranzutreiben. Das heißt, dass es nicht nur politischer Transfo
    rmationsstrategien bedarf, sondern auch die soziale und kulturelle Dimension der Transformation sowie Transformationspotentiale auf unternehmerischer Ebene mitgedacht werden sollten.
Vor diesem Hintergrund möchte die Werkstatt zu den folgenden drei Fragestellungen arbeiten:

1) Entwicklung von Kriterien für eine solidarische Lebensweise: Was macht eine Alternative zu einer Alternative im Sinne einer solidarischen Lebensweise?

Nachdem die erste Werkstatt den Ist-Zustand problematisiert hat (siehe I.L.A. Kollektiv, 2017), geht es in der zweiten Werkstatt um die Auseinandersetzung mit einer Positiv-Vision und die Ableitung von Kriterien. Hier kann die Werkstatt auch an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDGs) anknüpfen, welche Kriterien für eine nachhaltige Entwicklung formulieren: Wie befördern diese eine solidarische Lebensweise oder inwiefern stehen sie ihr eventuell auch im Wege? Weitere Ansatzpunkte bietet beispielsweise die Matrix der Gemeinwohlökonomie.  

2) Solidarische Lebensweise in einzelnen Lebensbereichen: Was bedeutet eine solidarische Lebens- und Produktionsweise für unser Zusammenleben und konkret für einzelne Lebensbereiche? Welche Initiativen gibt es bereits und wie praktizieren und fördern sie eine solidarische Lebensweise?

Im Rahmen der ersten I.L.A. Werkstatt wurde die imperiale Lebensweise in verschiedenen Lebensbereichen problematisiert. Nun möchten wir die Implikationen einer solidarischen Lebensweise für einzelnen Bereiche (Mobilität, Energie, Ernährung etc.) erarbeiten. Was bedeutet es, wenn solidarische Formen der Produktion und Arbeit (inkl. Sorgearbeit) sowie weniger Ressourcenverbrauch und Gemeingüter (statt Kommodifizierung) realisiert werden? Dabei wird die Analyse mit Beispielen aus der Praxis verknüpft.

3) Wie kann der Wandel von der imperialen zur solidarischen Lebensweise auf solidarische Weise gelingen?

Die imperiale Lebensweise ist durch mentale und physisch-materielle Infrastrukturen sowie politische Institutionen fest verankert. Um einen Wandel anzustoßen, gilt es an all diesen Punkten anzusetzen. Wir möchten deshalb sowohl die politische als auch kulturelle und soziale Dimension des Wandels thematisieren. 

Politische Dimension des Wandels: Welche politischen Maßnahmen und Bedingungen sind auf globaler Ebene nötig, um eine solidarische Lebensweise voranzutreiben und das Ent- und Bestehen sowie die Entwicklungspotentiale solidarischer Alternativen zu nutzen? Wichtig ist hierbei die globale Perspektive: Welche Politiken sind nötig, um Externalisierung sichtbar zu machen und sie so einzudämmen? Wie kann internationale Wirtschaftsdemokratie erreicht werden?

Kulturelle und soziale Dimension des Wandels: Abschließend möchten wir uns mit der Frage auseinandersetzen, wie der stetige soziale und kulturelle Wandel einer Gesellschaft in Richtung einer „Kultur der Solidarität und Nachhaltigkeit“ (statt des Konsums, des Profits, der Abgrenzung usw.) beeinflusst werden kann. Wie kann die solidarische Lebensweise von der Nische in den Mainstream gelangen? 

Literatur

Brand, Ulrich und Markus Wissen (2017), Imperiale Lebensweise: Zur Ausbeutung von Mensch und Natur in Zeiten des globalen Kapitalismus, oekom Verlag, München.

I.L.A. Kollektiv (2017), Auf Kosten anderer? Wie die imperiale Lebensweise ein gutes Leben für alle verhindert, oekom Verlag, München.

Lessenich, Stephan (2016), Neben uns die Sintflut: Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis, Hanser Verlag, Berlin.